Frische Kräuter müssen im Winter nicht aus dem Supermarkt kommen. Petersilie, Schnittlauch, Minze und Co. wachsen auch auf der Fensterbank weiter – langsamer als im Sommer, aber genug für die Küche. Entscheidend sind drei Dinge: so viel Licht wie möglich, die richtige Wärme und deutlich weniger Wasser als auf dem Balkon. Hier lest ihr, welche Kräuter sich drinnen wohlfühlen, welche lieber kühl stehen und woran ihr erkennt, dass etwas nicht stimmt.
- Licht Das hellste Fenster der Wohnung, die Töpfe direkt an die Scheibe. Im Winter ist Licht knapper als Wärme.
- Wärme Nicht direkt über die Heizung. Je weniger Licht, desto kühler dürfen die Kräuter stehen.
- Gießen Erst gießen, wenn die Erde oben angetrocknet ist. Kein Wasser im Untersetzer stehen lassen.
- Ernten Sparsam und immer ganze Triebe. Was ihr abschneidet, wächst im Winter nur langsam nach.
Welche Kräuter wachsen im Winter auf der Fensterbank?
Nicht jedes Kraut fühlt sich im Winter in der Wohnung gleich wohl. Grob gibt es drei Gruppen: Kräuter, die auch drinnen gut weiterwachsen, Kräuter, die viel Licht und Wärme brauchen, und mediterrane Kräuter, denen ein warmes Wohnzimmer eher schadet als hilft.
Wachsen auch drinnen gut weiter: Petersilie, Schnittlauch und Kresse
Petersilie ist im ersten Jahr der Klassiker für die Fensterbank. Holt den Topf vor dem ersten Frost in die Wohnung und stellt ihn an einen hellen Platz. Sie wächst dann langsamer, zwei bis drei Ernteschnitte über den Winter sind aber drin. Neu aussäen lohnt sich ab Februar, wenn die Tage wieder länger werden – wie das geht, zeigen wir unter Petersilie aus Samen anziehen.
Schnittlauch braucht eine Winterpause, bevor er neu austreibt. Lasst den Topf deshalb zuerst draußen ein paar frostige Nächte erleben und holt ihn erst danach herein. Am hellen Fenster treibt er dann innerhalb weniger Wochen frische Halme.
Kresse ist das Schnellste, was die Fensterbank zu bieten hat: Nach wenigen Tagen keimt sie, nach gut einer Woche wird geschnitten. Sie braucht keine Sonne, ein helles Fenster genügt. Mehr dazu steht im Aussaatkalender Dezember.
Brauchen viel Licht und Wärme: Basilikum, Koriander und Minze
Basilikum ist frostempfindlich und muss im Herbst ohnehin ins Haus. Auf der Fensterbank ist es das anspruchsvollste Kraut: Es möchte es auch im Winter warm und hell und verträgt weder eine kalte Fensterscheibe noch Zugluft beim Lüften. Mehrjährige Sorten wie Afrikanisches Basilikum kommen besser durch den Winter als die einjährigen.
Koriander lässt sich in der Wohnung das ganze Jahr über anziehen. Er braucht einen hellen Platz und gleichmäßig feuchte Erde. Bekommt er zu wenig Licht, wird er lang, dünn und blass – wie auf dem Foto weiter unten. Wie ihr ihn sät, steht unter Koriander aus Samen anziehen.
Minze zieht sich draußen im Herbst zurück und wirft ihre Blätter ab. In der Wohnung wächst sie dagegen das ganze Jahr. Wer sie im Topf in der Küche halten möchte, stellt sie an ein helles Fenster und hält die Erde gleichmäßig feucht, aber nicht nass. Weil Minze kräftig wurzelt, bekommt sie einen eigenen Topf.
Lieber kühl und hell: Thymian, Majoran, Oregano, Salbei und Rosmarin
Die mediterranen Kräuter sind an milde Winter gewöhnt, aber nicht an warme Wohnzimmer. Viele von ihnen überwintern am besten gut geschützt auf dem Balkon, wie wir es unter Kräuter auf dem Balkon überwintern zeigen. Wer sie hereinholt, stellt sie an das hellste und zugleich kühlste Fenster, etwa im Schlafzimmer oder im Treppenhaus.
Im Topf ist Thymian nur mit Schutz winterhart. Geschützt an der Hauswand bleibt er am besten draußen; herein holt ihr ihn nur, wenn ihr den Topf nicht schützen könnt. Majoran verträgt keinen Frost und gehört im Winter ohnehin in die Wohnung; ernten könnt ihr weiter, er wächst nur langsamer. Oregano, Salbei und Rosmarin vertragen etwas Frost und kommen nur herein, wenn ihr sie draußen nicht schützen könnt. Oregano fehlt in der Wohnung allerdings die Winterruhe, die er für einen kräftigen Austrieb im Frühjahr braucht.
Licht: das hellste Fenster und so nah wie möglich an die Scheibe
Im Winter ist Licht der knappste Faktor. Die Tage sind kurz, die Sonne steht tief, und schon wenige Schritte vom Fenster entfernt ist es für Pflanzen deutlich dunkler, als es für unsere Augen wirkt. Stellt die Kräuter deshalb direkt an die Scheibe, am besten an ein Süd-, West- oder Ostfenster. Ein Nordfenster reicht im Winter für die meisten Kräuter nicht.
Dreht die Töpfe alle paar Tage ein Stück, damit die Pflanzen nicht schief zum Licht wachsen. Und haltet die Scheibe sauber – auch das bringt ein wenig mehr Licht.

Reicht das Fensterlicht nicht, hilft eine Pflanzenlampe. Sie hängt in geringem Abstand über den Kräutern und läuft am besten über eine Zeitschaltuhr, damit die Kräuter jeden Tag gleich lange Licht bekommen. Für Kräuter, die drinnen kräftig weiterwachsen sollen, ist das der zuverlässigste Weg durch die dunklen Monate.
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Wärme: nicht direkt über der Heizung
Die meisten Fensterbänke liegen über einer Heizung. Für Kräuter ist das kein guter Platz: Die warme, trockene Luft steigt direkt an den Töpfen vorbei, die Erde trocknet schnell aus, und Schädlinge wie Spinnmilben fühlen sich in trockener Heizungsluft wohl.
Dazu kommt: Wärme treibt das Wachstum an, aber ohne genug Licht wachsen die Kräuter nur in die Länge. Die Faustregel lautet deshalb: Je weniger Licht, desto kühler darf es sein. Basilikum ist die Ausnahme und möchte es auch im Winter warm.
Achtet auch auf die andere Seite: Direkt an der kalten Scheibe kann es nachts deutlich kühler werden als im Raum, vor allem, wenn ein Vorhang die Fensterbank vom Zimmer trennt. Blätter, die die Scheibe berühren, können dann Schaden nehmen. Und beim Lüften gilt: lieber kurz und kräftig als lange gekippt, damit die Kräuter keine kalte Zugluft abbekommen.
Gießen und Düngen im Winter
Drinnen wachsen die Kräuter im Winter langsam und verbrauchen entsprechend wenig Wasser. Das häufigste Problem auf der Fensterbank ist deshalb nicht zu wenig, sondern zu viel Wasser. Gießt erst, wenn sich die Erde oben trocken anfühlt, und prüft das mit dem Finger. Über der Heizung kann das schneller gehen als gedacht, deshalb lieber öfter nachfühlen als nach Plan gießen. Wasser, das nach einer Viertelstunde noch im Untersetzer steht, gießt ihr weg. Raumwarmes Wasser ist den Kräutern lieber als kaltes aus der Leitung.
Gedüngt wird im Winter kaum, denn ohne genug Licht kann die Pflanze die Nährstoffe nicht verwerten. Kräuter, von denen ihr regelmäßig erntet, bekommen höchstens alle paar Wochen eine kleine Gabe Flüssigdünger. Mehr zu beidem steht unter Balkongemüse richtig gießen und Balkongemüse richtig düngen.
Kräuter aus dem Supermarkt durch den Winter bringen
Ein Topf Basilikum oder Petersilie aus dem Supermarkt ist im Winter der schnellste Start. Damit er nicht nach zwei Wochen aufgibt, braucht er etwas Hilfe: In den Töpfen stehen meist viel zu viele Pflänzchen auf wenig Erde. Teilt den Ballen vorsichtig in drei bis vier Teile und setzt sie in eigene Töpfe mit frischer Kräutererde. So bekommt jede Pflanze genug Platz, Licht und Nährstoffe.
Bei Basilikum geht es noch einfacher: Schneidet ein paar Triebe ab und stellt sie ins Wasserglas. Nach etwa zwei Wochen bilden sich Wurzeln, und ihr habt neue, kräftige Pflanzen. Wie das geht, zeigen wir unter Blumentopf-Basilikum aus Stecklingen vermehren. Warum wir Kräuter sonst lieber selbst ziehen, steht in Lieber Kräuter vom Balkon als aus dem Supermarkt.
Kräuter im Winter richtig ernten
Was ihr im Winter abschneidet, wächst nur langsam nach. Erntet deshalb sparsam und nehmt nie mehr als etwa ein Drittel der Pflanze auf einmal. Schneidet ganze Triebe ab, statt einzelne Blätter abzuzupfen – bei Petersilie und Koriander die äußeren Stiele, bei Basilikum und Minze die Triebspitzen über einem Blattpaar. So bleibt das Herz der Pflanze stehen, und sie treibt weiter aus.
Wie das bei den einzelnen Kräutern genau aussieht, zeigen wir hier: Petersilie, Basilikum, Minze, Thymian und Koriander richtig schneiden und ernten.
Was auf der Fensterbank nicht klappt – und woran ihr es erkennt
- Lange, dünne, blasse Triebe
Zu wenig Licht, oft bei zu viel Wärme. Stellt die Kräuter heller und kühler oder helft mit einer Pflanzenlampe nach. Die dünnen Triebe könnt ihr abschneiden, kräftig werden sie nicht mehr.
- Gelbe Blätter, die Erde ist nass
Zu viel Wasser. Lasst die Erde abtrocknen und leert den Untersetzer. Steht der Topf dauerhaft nass, faulen die Wurzeln.
- Kleine schwarze Fliegen über der Erde
Trauermücken. Ihre Larven leben in dauerhaft feuchter Erde. Gießt seltener und lasst die oberste Erdschicht zwischendurch abtrocknen; Gelbtafeln fangen die Fliegen ab.
- Feine helle Sprenkel, später Gespinste
Spinnmilben. Sie mögen warme, trockene Heizungsluft. Braust die Pflanze lauwarm ab, rückt sie von der Heizung weg und sorgt für etwas mehr Luftfeuchtigkeit.
- Rosmarin wirft Nadeln oder vertrocknet
Zu warm oder zu trocken. Rosmarin verzeiht es nicht, wenn der Wurzelballen ganz austrocknet – auch im Winter nicht. Stellt ihn kühler und gießt mäßig, aber regelmäßig.
- Basilikum lässt die Blätter hängen
Zu kalt oder Zugluft. Basilikum reagiert empfindlich auf kalte Scheiben und gekippte Fenster. Rückt es ein Stück ins Warme, aber nicht über die Heizung.
Im Frühjahr zurück auf den Balkon
Ab März werden die Tage spürbar länger, und die Kräuter legen wieder zu. Was drinnen überwintert hat, gewöhnt ihr nach den letzten Frösten langsam an Sonne und Wind, bevor es ganz nach draußen zieht – Basilikum erst nach den Eisheiligen Mitte Mai. Vorher bekommen viele Kräuter einen kräftigen Rückschnitt, wie wir ihn unter Kräuter im Frühjahr zurückschneiden zeigen.
Und wer im Februar schon wieder Lust auf Neues hat: Dann beginnt die Aussaat. Mit einem Zimmergewächshaus klappt sie auch auf der Fensterbank – wie, zeigen wir unter Kräuter im Zimmergewächshaus vorziehen. Alles Weitere rund um den Anbau findet ihr auf unserer Seite Kräuter auf dem Balkon anbauen.

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