Rettich braucht auf dem Balkon vor allem Tiefe. Im tiefen Topf oder im Balkon-Hochbeet wächst er aber gut, meine Rüben wurden 20 bis 25 Zentimeter lang. Wir zeigen euch, welche Sorten zu euch passen, wann und wie ihr sät, wie viel Erde, Wasser und Dünger Rettich braucht, wann ihr erntet und was ihr tut, wenn er holzig oder scharf wird oder schießt.

Anbau
Sorten, Aussaat, Topf, Standort und Pflege
Welche Rettichsorten passen auf den Balkon?
Rettich teilt sich nach der Anbauzeit in Frühjahrs- oder Mairettich, Sommerrettich sowie Herbst- und Winterrettich. Frühjahrsrettich sät ihr ab März, Sommerrettich etwa von April bis in den Juni oder Juli, Herbst- und Winterrettich etwa von Mitte Juni oder Juli bis Mitte August. Geerntet wird von Mai bis in den November. Schaut auf die Samentüte: Manche Sorten passen nur in eine Zeit, andere gehen von Frühjahr bis Herbst. Vor allem japanische Rettiche schießen leicht, wenn ihr sie früh sät.
Für Topf und Kasten nehmt ihr am besten kurze oder runde Sorten. Die Sorten reichen von runden Rüben bis zu Riesen von 40 Zentimetern und mehr. Daikon und andere lange Sorten sind für normale Töpfe zu groß, sie brauchen sehr tiefe Gefäße oder ein Hochbeet. Ich habe in meinem Hochbeet einen langen weißen Rettich angebaut. Ist euer Gefäß flach, nehmt ihr besser Radieschen.
Rettich säen
Rettich sät ihr von März bis August direkt in den Topf oder ins Hochbeet, dort wo er bleiben soll. Er bildet eine lange Wurzel und verträgt das Umsetzen schlecht. Vorziehen lohnt sich höchstens für die allerfrüheste Ernte, und nur mit einer Sorte, die dafür gedacht ist. Ich habe Ende Juli gesät und Ende Oktober geerntet.
Sät etwa 2 Zentimeter tief, je nach Sorte reichen die Angaben von 1 bis 3 Zentimetern. Legt je Stelle zwei bis drei Samen. Zum Keimen braucht Rettich kein Licht. Deckt die Samen trotzdem gut mit Erde ab und haltet sie feucht.
Im Beet steht Rettich meist 15 bis 20 Zentimeter auseinander, die Reihen 20 bis 30 Zentimeter. Für den Topf gibt es keine festen Werte. Die wenigen Angaben liegen bei rund 10 bis 15 Zentimetern je Pflanze, in einem kleinen Topf bleibt also ein Rettich allein. Große Sorten brauchen mehr Platz, kleine runde weniger. Im Hochbeet habe ich 15 Zentimeter in der Reihe und 20 Zentimeter zwischen den Reihen gelassen.
Wie schnell Rettich keimt, hängt von der Wärme ab: Im Sommer zeigt er sich oft schon nach wenigen Tagen, im kühlen Frühjahr dauert es eher ein bis zwei Wochen oder länger. Er keimt schon ab etwa 5 Grad, dann aber sehr langsam. Allgemeine Tipps zur Aussaat findet ihr unter Anzucht aus Samen.
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Rettich im Topf, Kasten und Hochbeet
Rettich braucht deutlich mehr Tiefe als Radieschen. Für Radieschen reichen 15 Zentimeter Erde, ein normaler Blumenkasten ist für Rettich aber meist zu flach. Nehmt ein tiefes Gefäß oder ein Hochbeet für den Balkon und richtet euch nach der Sorte: Je länger die Rübe, desto tiefer muss die Erde sein. Für kurze Sorten sind etwa 20 bis 30 Zentimeter ein Anhaltspunkt, Daikon braucht noch viel mehr. Wichtig ist außerdem ein Abzugsloch, damit überschüssiges Wasser ablaufen kann.
Mein Balkon-Hochbeet ist 50 Zentimeter tief. Die Erde war etwas abgesackt, es waren also noch etwa 30 bis 40 Zentimeter, und die Rüben wurden 20 bis 25 Zentimeter lang.

Rettich braucht lockere Erde, in die er gerade nach unten wachsen kann. In verdichteter oder steiniger Erde wird die Rübe krumm oder gabelt sich, auch wenn die Pflanzen zu eng stehen. Solche Rüben bekommt ihr im Supermarkt nicht, essen könnt ihr sie genauso. Nehmt deshalb eine lockere Gemüseerde. Welche Erde sich wofür eignet, steht unter Erde für Balkongemüse.
Rettich vereinzeln
Vereinzelt früh: Sobald die Keimblätter da sind oder die Keimlinge einige Zentimeter hoch stehen, bleibt je Stelle nur der kräftigste stehen. Die anderen zieht ihr vorsichtig heraus oder schneidet sie knapp über der Erde ab, dann bleibt die Wurzel des Nachbarn ungestört. Steht Rettich zu eng, bleiben die Rüben klein oder fallen ganz aus.
Der richtige Standort für Rettich
Stellt Rettich möglichst sonnig. Heller Halbschatten geht auch, dann dauert es länger bis zur Ernte. Im Hochsommer heizt sich ein Topf schnell auf, und Hitze fördert das Schießen. Etwas Schatten über Mittag schadet dann nicht.
Bedarf im Überblick
Rettich gießen
Haltet die Erde gleichmäßig feucht, aber ohne Staunässe. Bei Trockenheit wird Rettich pelzig und zu scharf. Wechseln trockene und sehr nasse Zeiten, platzen die Rüben. Im Topf trocknet die Erde viel schneller aus als im Beet: Gießt öfter, aber jedes Mal nur so viel, wie die Erde aufnimmt, an heißen Tagen auch täglich. Auf einen überdachten Balkon fällt zudem kein Regen. Mehr zum Gießen lest ihr unter Balkongemüse richtig gießen.
Rettich düngen
Rettich ist ein Mittelzehrer, er braucht weniger als Tomaten. Welche Pflanzen stark, mittel oder schwach zehren, zeigen wir unter Fruchtfolge für Gemüse auf dem Balkon.
In frischer, vorgedüngter Gemüseerde kommt Rettich meist ohne Zusatz bis zur Ernte. Steht er länger als etwa acht bis zehn Wochen, gebt ihm einmal etwas organischen Dünger nach. Hornmehl wirkt schneller als Hornspäne. Nehmt keinen frischen Mist und düngt sparsam: Zu viel Stickstoff gibt viel Laub und schlechte Rüben. Mehr dazu lest ihr unter Balkongemüse richtig düngen.
Ernte und Probleme
Ernten, Lagern, Schießen, Schädlinge
Rettich ernten
Im Frühjahr und Sommer dauert es von der Aussaat bis zur Ernte etwa acht bis zehn Wochen, bei Herbst- und Winterrettich drei Monate und mehr. Meiner stand von Ende Juli bis Ende Oktober, also rund 13 Wochen.
Der Kopf des Rettichs schaut meist aus der Erde, so seht ihr, wie dick er ist. Ab etwa 5 bis 6 Zentimetern Durchmesser könnt ihr ernten. Drückt darauf: Ein guter Rettich ist fest. Gibt er nach, seid ihr schon spät dran. Lasst ihn nicht zu lange stehen, denn überreif wird er pelzig, hohl oder holzig. Erntet lieber etwas früher als zu spät.

Ernten ist nicht schwierig: Ich ziehe die Rübe einfach am Grün aus der Erde. Die Pflanzen sind unterschiedlich groß, deshalb müsst ihr nicht alles auf einmal ernten. Die kleineren bleiben stehen und wachsen weiter. Die Blätter können sich je nach Sorte rau und borstig anfühlen. Ich ziehe bei der Ernte deshalb Handschuhe an, nötig ist das aber nicht.
Kann man Rettich überwintern?
Erntet Sommer- und Herbstrettich spätestens vor dem ersten stärkeren Frost. Winterrettich ist nur bedingt frosthart: Leichten Frost hält er aus, starker Frost schadet der Rübe. Im Topf dringt die Kälte schnell bis an die Wurzeln, holt ihn dort also rechtzeitig heraus. Zum Überwintern im Topf taugt Rettich nicht, erntet ihn lieber und lagert ihn ein.
Rettich lagern
Dreht oder schneidet das Grün direkt nach der Ernte ab, sonst wird die Rübe schnell schlaff. Sommerrettich hält im feuchten Tuch im Kühlschrank etwa eine Woche, Schwarzer Rettich bis zu zwei Wochen. Für Monate braucht es einen kühlen Keller mit hoher Luftfeuchte: Winterrettich hält dort in feuchtem Sand mehrere Monate. Lagert nur unbeschädigte Rüben.
Rettich schießt oder blüht: Was tun?
Rettich schießt vor allem, wenn er kurz nach der Saat längere Zeit kalt steht, und zwar bei etwa 5 bis 11 Grad. Später lösen lange Tage die Blüte aus. Auch Hitze und Trockenheit fördern das Schießen. Besonders empfindlich sind große und japanische Sorten. Sät früh im Jahr deshalb schossfeste Sorten und deckt sie bei Kälte mit Vlies ab.
Schießt Rettich, steckt er seine Kraft in die Blüte, und die Rübe wird zäh, holzig und pelzig. Fängt er gerade erst an, erntet ihn sofort und probiert. Blüht er schon, taugt die Rübe meist nicht mehr. Die jungen Schoten könnt ihr aber noch essen. Rückgängig machen lässt sich das Schießen nicht.
Wenn der Rettich holzig oder scharf wird oder keine Rübe bildet
Warum ist mein Rettich so scharf?
Die Schärfe kommt von Senfölen. Wie scharf Rettich wird, hängt zuerst von der Sorte ab: Winterrettich ist schärfer als Sommerrettich, japanischer Rettich ist mild. Hitze, echter Wassermangel und späte Ernte machen ihn zusätzlich schärfer. Mild bleibt er, wenn ihr gleichmäßig gießt und jung erntet.
Warum wird Rettich holzig oder pelzig?
Meist stand er zu lange, hatte es zu trocken oder hat angefangen zu schießen. Gießt deshalb gleichmäßig und erntet rechtzeitig.
Warum bildet mein Rettich keine Rübe?
Bleibt die Rübe klein oder ganz aus, hat das meist einen dieser Gründe: Die Pflanzen stehen zu eng, sie bekommen zu wenig Licht oder zu viel Stickstoff, es ist zu heiß oder zu trocken, oder Sorte und Saatzeit passen nicht. Das sind fast dieselben Gründe wie bei Radieschen, die keine Knollen bilden. Dazu kommt beim Rettich die Tiefe: Lange Sorten brauchen viel Erde.
Krankheiten und Schädlinge
Auf Rettich können dieselben Schädlinge gehen wie auf Radieschen. Erdflöhe fressen kleine Löcher in die Blätter, vor allem bei warmem, trockenem Wetter. Die Maden der Kohlfliege, auch Rettichfliege genannt, fressen Gänge in die Rübe. Gegen beide hilft ein feinmaschiges Netz, das ihr direkt nach der Saat auflegt. Gegen Erdflöhe muss es sehr fein sein, etwa 0,8 Millimeter. Blattläuse kommen auch vor. Bei mir hatten die Blätter ebenfalls Löcher, die Rüben hat das nicht gestört.
Wird die Rübe außen dunkelblau bis schwarz, reißt auf und wird morsch, ist das die Rettichschwärze. Die Kohlhernie macht die Wurzeln knollig dick. Beide Krankheiten überdauern viele Jahre im Boden, deshalb gehört Rettich in frische Erde.
Fruchtfolge und gute Nachbarn
Rettich ist ein Kreuzblütler wie Kohl und Radieschen. Baut ihn nicht nach anderen Kreuzblütlern in dieselbe Erde, die Quellen raten zu drei bis vier Jahren Pause. Im Topf ist das einfach: Nehmt frische Erde. Als gute Nachbarn gelten vor allem Erbsen, oft auch Salat, Spinat, Bohnen und Mangold. Neben Gurken steht Rettich ungünstig. Bei Kohl und Radieschen sind sich die Quellen nicht einig.
